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allen heute noch zur Verfügung stehenden Unterlagen über
die Gründung des Obst- und Gartenbauvereins Gerolsbach
sowie die Tätigkeit des Vereines in den letzten 110 Jahren
hat die Vorstandschaft versucht, die Geschehnisse einigermaßen
zu rekonstruieren. Die Auffindung der Unterlagen, gerade über
die Gründungszeit, war nicht immer ganz problemlos.
An
dieser Stelle möchten wir uns ganz besonders beim Geschäftsführer
des Kreisverbandes Pfaffenhofen a. d. Im, Herrn Heinz Huber, Herrn
Kreisfachberater Josef Stadler, den ehemaligen Kreisfachberatern
Andreas Blüm und Alois Wegmann und vor allen Dingen bei Herrn
Max Direktor, dem Leiter des Stadtarchives Schrobenhausen bedanken.
Eine
weitere wichtige Grundlage für den Abriss der ersten 80 Jahre
stammt von dem früheren langjährigen Schriftführer
des Obst- und Gartenbauvereins Gerolsbach, Herrn Johann Schaipp
aus Saulbach.
Im Gebiet der früheren Gemeinden Gerolsbach,
Singenbach und Strobenried hat schon in der Gründerzeit der
Gartenbau Organisationen ein großes Interesse an einem Zusammenschluß
zu einem Obst- und Gartenbauverein bzw. Bienenzuchtverein bestanden.
Laut der folgenden Urkunde, die unserem Verein vom Landesverband zum 65jährigen Jubiläum überreicht wurde,
wurde der Obst- und Gartenbauverein Gerolsbach-Singenbach am 23.
Februar 1888 gegründet.
 Gründungsurkunde
Im selben Jahr wurde auch der Bezirksverein für
Bienenzucht für das Gebiet des Landkreises Schrobenhausen gegründet.
Der
damalige Begriff "Bezirk" entspricht heute dem heutigen
Landkreis, der frühere "Kreis Oberbayern" entspricht
auf die heutige Zeit übertragen dem Regierungsbezirk Oberbayern.
Mitbegründer des Bezirksvereins für Bienenzucht Schrobenhausen
waren aus dem Gebiet der damals selbständigen Gemeinden Gerolsbach
und Singenbach: Josef Maurer aus Dürnthal, Sebastian Neumeier
aus Fürholzen, Wagner aus Breitsamet, David Jäger aus
Gerolsbach sowie Starringer aus Schachach.
Als Bienenmeister
wurde für das Gebiet um Gerolsbach und Singenbach Josef Maurer
bestimmt.
Vorstand des Bezirksvereins war Pfarrer Mathias
Wörle aus Waidhofen aus dem vom Kreisverein Oberbayern für
Bienenzucht und Obstbau herausgegebenen Mitteilungsblatt geht hervor,
dass 1899 von 40 Mitgliedern der Bezirksobstbauverein Schrobenhausen
gegründet wurde. Vorstand dieses Bezirksvereins war ein Hauptlehrer
a.D. mit Namen Gröschl. Aus dem Jahre 1901 ist der erste schriftliche
Nachweis zu finden, dass von einer Gruppe von Obstbaufreunden
aus Gerolsbach und Singenbach ein Beitrag an den Bezirksobstbauverein
abgeführt wurde.
Aus denselben Unterlagen ist auch bereits
die Zusammenarbeit von Obstbau- und Bienenzuchtvereinigungen erkennbar.
Hauptanliegen der Bienenzüchter war die Verbesserung der Bienenweide
durch das Anpflanzen von Obstbäumen und Lindenbäumen in
Gärten, an Straßen und sonst geeigneten Plätzen.
Im Bezirk Schrobenhausen wurden zu der Zeit ca. 400 Obstbäume
gepflanzt, auch die Lindenbäume in Stockhausen stammen aus
dieser Zeit, die Eichen sind älter. Bereits um die Jahrhundertwende
standen in Stockhausen bei Max Hirschberger drei Bienenhäuser.
Wegen
der gemeinsamen Interessen der Bienenzüchter und der Obstbauer
wurden beide Vereine 1912 zum Obstbau- und Bienenzuchtverein Gerolsbach-Singenbach
zusammengeschlossen. Michael Maurer aus Stockhausen war der 1. Vorsitzende
dieses zusammen geschlossenen Vereins, der diese Position bis zum
2. Weltkrieg inne haben sollte. In den Aufzeichnungen klafft nun
leider eine Lücke. Die nächste Notiz stammt aus dem Jahre
1912, als in Schrobenhausen eine Obstbauausstellung durchgeführt
wurde, die auch von Mitgliedern des Vereins Gerolsbach-Singenbach
beschickt wurde. Bei dieser Obstbauausstellung gewannen Michael
Maurer aus Stockhausen und Martin Plöckl aus Schleichern Preise.
Vom Bezirksverein wurden eine Bronzemedallie, ein Buch und ein Geldpreis
in Höhe von 10 Goldmark an Prämien ausgegeben.
1913
hatte der Obst- und Bienenzuchtverein Gerolsbach-Singenbach 33 Mitglieder
aus Gerolsbach sowie 26 Mitglieder aus Singenbach, also insgesamt
59 Mitglieder. Baumwart war zu dieser Zeit Herr Fischer aus Gerolsbach.
Im
Jahr 1913 wurde eine Rückenspritze zur Ungezieferbekämpfung
gekauft. 1913/14 wurde zudem noch eine fahrbare Mosterei angeschafft.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde zusätzlich eine Süßmostglocke
und eine Dosenmaschine für den Verein beschafft.
Um
1930 wurde auch eine Karrenspritze als Hilfsgerät und Verbesserung
für die vorhandene Rückenspritze beschafft. Die Unterlagen
aus all diesen Jahren sind nach dem 2. Weltkrieg leider der Zerstörung
bzw. der Beseitigung durch die damalige Besatzungsmacht zum Opfer
gefallen.
1936 wurde per Reichsanordnung die Trennung der
Obstbau- und Bienenzuchtvereine angeordnet. Wie alle anderen Vereine
wurde auch der Obst- und Gartenbauverein Gerolsbach-Singenbach im
Jahr 1945 von der damaligen Militärregierung verboten und aufgelöst.
Am
19.01.1947 wurde der Verein von Anton Steger aus Hof als Gartenbauverein
Gerolsbach-Singenbach wiedergegründet. Das Amt des Schriftführers
und Vereinsrechners hatte Johann Breitsameter aus Tränk inne.
Baumwart in der Zeit nach der Wiedergründung war Michael Neukäufer
aus Gerolsbach.
Die Mitgliederzahl belief sich auf 50 Personen,
siehe hierzu auch das Schreiben vom 20.01.1947 des damaligen Kreisfachberaters
Erich Herr und das Schreiben des Landratsamtes Schrobenhausen vom
09.04.1948, mit der Erteilung der Lizenzierungsnummer 37 und dem
dazugehörigen Merkblatt.
Hauptaufgabe der Obst- und
Gartenbauvereine in dieser schwierigen Zeit war die Versorgung der
Bevölkerung mit Obst und Gemüse, siehe hierzu auch das
Schreiben des BLV vom Juli 1946 über Organisation, Obstbaumbezug
und das Sammeln von Obstkernen. Für 1kg Apfelkerne wurden
damals 10,- DM bezahlt, für 1 kg Zwetschgen- bzw. Kriecher
2,- DM.
In den Bereich nach der Wiedergründung des Vereins
fällt dann auch die Anlage umfangreicher Obstneupflanzungen
im Raum Gerolsbach. Initiator dieser Neupflanzungen war der damalige
Kreisfachberater für Gartenbau und Landschaftspflege, Erich
Herr. Der damalige Gerolsbacher Obstbaumbestand belief sich auf
16.000 Bäume.
1950 wurde wiederum auf Initative des
damaligen Kreisfachberaters, Erich Herr, das erste Apfelblütenfest
in Gerolsbach durchgeführt. In den ersten sechs Jahren fand
die Festveranstaltung im Saal des Gasthofs Breitner statt, für
die nachfolgenden wurden eigens große Bierzelte aufgestellt.
1959 wurde das 10jährige Jubiläum des Blütenfestes gefeiert. Dieses Fest war gleichzeitig das letzte Blütenfest
in Gerolsbach. Die Kosten für die Durchführung eines solchen
Blütenfestes betrugen laut den vorgefundenen Aufzeichnungen
ca. DM 6000,-, siehe hierzu den ausführlichen Bericht über
die Blütenfeste.
 1954 wurde vom Gartenbauverein Gerolsbach-Singenbach ein Selesierpflug
für die Obstbaumdüngung angeschafft.
Im Jahre 1957 kaufte der Verein eine damals sehr moderne Spritze
für die Schädlingsbekämpfung. Es war das Gerät
der Firma Holter „A.R. 4 Vorwärts“ mit einem Fassungsvermögen
von 400 Liter, selbstfahrbar zum Preis von 6.777,- DM. Diese Spritze
wurde neben der Schädlingsbekämpfung im Obstbau auch für
die Unkrautbekämpfung (Flächenspritzung) in der Landwirtschaft
eingesetzt. Die Einweihung wurde im Rahmen einer kleinen Feier am
10.02.1957 in Singenbach durchgeführt.
 Gerolsbach
zu Zeiten der Blütenfeste
Die Blütenfeste in Gerolsbach
1950
Im Mai 1950 findet auf lnitiative des damaligen Kreisfachberaters
Erich Herr in Gerolsbach das 1. Apfelblütenfest des Landkreises
Schrobenhausen statt.
Johann Breitsameter, Vorstand des örtlichen
Obst- und Gartenbauvereins begrüßt u.a. auch Regierungsfachberater
Altersberger aus Freising, der mit humorvollen Worten und Dias die
Zuhörer unterhält. Seine Bilder vermitteln einen prächtigen
Eindruck von der Schönheit der bayerischen Heimat, über
die der Redner den Satz zitiert: „dass der Herrgott, wen er
lieb hat, in Bayern zur Welt kommen läßt, und wen er
ganz besonders liebt, in Oberbayern!“
Die Blütenfeste
sind nicht nur gesellschaftliche Ereignisse, sondern dabei wird
auch fachspezifisches Wissen vermittelt, dies demonstriert eindrucksvoll
der Kreisverband Schrobenhausen, er zeigt wie Obstbäume zum
Schutze gegen Nachtfröste vernebelt werden können.
Das
erste Gerolsbacher Blütenfest wird von der Paartaler Kapelle
begleitet und endet mit einem Blütentanz im Saal des Gasthauses
Breitne
1951
In Verbindung mit der Tagung der Landgemeinden wird am 14. Mai
1951 das zweite Apfelblütenfest in Gerolsbach abgehalten.
Prominentester Gast dürfte wohl der Ehrenvorstand der Obst-
und Gartenbauvereine Apfelpfarrer Aigner aus Hohenbercha sein. Zur
Unterhaltung spielt die Aichacher Trachtenkapelle und die Kapelle
Kast auf, Der traditionelle Blütentanz am Abend schließt
die Veranstaltung ab.
1952
Das dritte Apfelblütenfest eröffnet Kreisfachberater Erich Herr am
13. Mai 1952 im Namen des Obst- und Gartenbauvereins Gerolsbach-Singenbach.
Unter
den Gästen sieht man DipI.-Gartenbauoberinspektor Reitberger
aus Fürstenfeldbruck, Franz Attenkofer aus Landshut, ferner
Landwirtschaftsdirektor Kracher aus Schrobenhausen und den Pfaffenhofener
Bürgermeister Stocker. Herr Inspektor Reitberger erfreut die
Zuhörer mit einem Diavortrag über die Verschönerung
der Gärten und Häuser mit Blumen. Der Referent betont,
dass wir zu weit von der Natur abgekommen sind und wieder
zu ihr zurückfinden müssen. Auch den Kindern sollten
wir frühzeitig die Liebe zur Natur beibringen. Landwirtschaftsdirektor
Kracher preist in seiner Ansprache die Tatsache, dass in Gerolsbach
noch uralte, riesige Bäume stehen, in denen die Seele und die
Liebe des Bauernvolkes zutage trete und doch solle man sich immer
wieder umsehen, ob es nicht da und dort noch ein Plätzchen
gebe, wo man einen Baum oder einen Strauch pflanzen könne.
Am Abend kommt die Jugend zu ihrem Recht, als unter den Klängen
der „Paartaler“ das Tanzbein geschwungen wird.
1953
„Sonne, Blüten, frohe Laune und über 1000 Besucher“
so lautet die Überschrift im Schrobenhausener Anzeiger am 28.
April 1953. Ein strahlend schöner Frühlingstag gibt dem
vierten Blütenfest einen würdigen Rahmen.
In dem
mit Blumen und frischem Grün dekorierten Breitnersaal begrüßt
Kreisfachberater Herr wieder viele prominente Gäste: den Geschäftsführer
des Bayer. Landesverbandes für Obst- und Gartenbau München,
Herrn Pfannschmidt; Landwirtschaftsdirektor Kracher mit Gattin und
die Damen vom Landwirtschaftsamt, Gartenbauamtmann Wahl aus Theising;
Dipl. Gartenbauinspektor Blüm, Pfaffenhofen und eine Abordnung
der Gemeinde Berg im Gau mit ca. 50 Personen, an der Spitze Bürgermeister
Maier und Haupt Weiß.
Das Rahmenprogramm bestreiten
u.a. die „Schrobenhausener Sängerknaben“ und die „Nandlstadter
Buam“. Fazit: Eine gutgelungene Veranstaltung mit frohen Besuchern
und zufriedenen Veranstaltern, Eine schöne Geste: Die mit Beifall
aufgenommene Überreichung von roten Tulpensträußen
an die Mitwirkenden bei ihrer Verabschiedung durch Kreisfachberater
Herr.
1954
Im Mittelpunkt des Blütenfestes von 1954 steht die Ehrung
langjähriger und verdienter Mitglieder. Herr Bonifaz Schwarzbauer
wird für 45jährige Vereinstreue mit der goldenen Ehrennadel
des Landesverbandes ausgezeichnet. Der einstige Kreisfachberater
Herr kommt extra aus Nürnberg angereist und gibt dem Wunsche
Ausdruck, dass die von ihm in den letzten Jahren begonnene
Arbeit nicht unterbrochen werden möge. Nach einem interessanten
Lichtbildervortrag schließt der offizielle Teil der Veranstaltung
und die Tanzlustigen vergnügen sich in den Sälen der
Gastwirte Breitner und Buchberger.
So kann die Schrobenhausener
Zeitung am 11. Mai 1954 über das Gerolsbacher Blütenfest
folgendes berichten „Die Gerolsbacher müssen brave Leute sein!
Ein besseres Wetter hätten sie sich für ihr Apfelblütenfest am Sonntag
überhaupt nicht wünschen können. Das Blau des Himmels
störte kein einziges Wölkchen und die Sonne lachte und
war Magnet für Scharen von Besuchern aus dem ganzen Kreisgebiet.
Mit Autos, mit Motorrädern und per Fahrrad kamen sie nach Gerolsbach, ins Obstbau-Paradies des Kreises.“
1955
Zum 65jährigen Vereinsjubiläum zieht der Obst- und
Gartenbauverein alle Register. Die Heimatzeitung schreibt „Blüten
- Sonne - Harmonie - Strahlender Sonnenschein lag am Sonntag über
unseren heimatlichen Fluren.“ Eine festliche Maiandacht, ein Blütenkorso
mit einer Beteiligung von mehr als 20 Fahrzeugen, die Ehrung verdienter
Pioniere des Obstbaues, Tanzveranstaltungen und schließlich
ein Feuerwerk sind die herausragenden Ereignisse dieses Tages.
Zu
diesem besonderen Jubiläum werden erstmals königliche
Hoheiten gewählt. Viktoria Breitsameter aus Gerolsbach und
Anna Hofmann aus Singenbach sind die auserwählten Blütenköniginnen,
die mit einigen weißgekleideten Blumenmädchen sowie
den Ehrenmitgliedern des Vereins vom Festwagen aus die Gäste
grüßen. Nach dem Blütenkorso versammeln sich die
Mitglieder des Jubelvereins mit den Ehrengästen im Breitner-Saal,
in dessen Mittelpunkt eine blühende Baumkrone steht.
 Die
beiden Blütenköniginnen Viktoria Breitsameter und Anna
Hofmann
Nach der Begrüßung durch
Vorstand Breitsameter überreicht Regierungsfachberater Altersberger die
Urkunde für den 65 Jahre alten Verein.
Während ein Schülerinnenchor
unter der Leitung von Hauptlehrer Dittenheber nette Volksweisen vorträgt, überreicht
der Regierungsfachberater folgenden langjährigen Mitgliedern Ehrenurkunden:
Josef Steger, Hof (Mitglied seit 1911); Johann Demmelmeier, Kohlstatt (1911);
Josef Plöckl, Riedern (1912) sowie für 25jährige Vereinstreue Josef Klinger,
Stockhausen; Josef Breitsameter, Gachenbach; Josef Finkenzeller, Lichthausen;
Korbinian Felber, Kohstatt; Johann Gollwitzer, Gerolsbach; Sebastian Neumeier,
Fürholzen. Regierungsfachberater Altersberger fügt den Wunsch an, dass diese
Auszeichnungen dazu beitragen mögen, dass die Liebe zum Obstbau auf die nachfolgende Generation Übertragen wird
und er bittet sie ferner als einen Ansporn zu werten, den Obstbau zu erhalten -
auch wenn wir jetzt vom Ausland mit Obst überflutet werden. Jeder der
Ausgezeichneten erhält vom Verein einen jungen Apfelbaum, der eine Erinnerung
an diesen Ehrentag sein soll.
Zum Abschluß tanzt eine Gruppe
der „Paartaler“ Schuhplattler, dann wird auch dieses Parkett der Jugend zum
Tanz freigegeben, nachdem schon zwei Stunden vorher im Buchberger-Saal die
Musik zum Tanz gerufen hatte. In allen Gastwirtschaften Gerolsbachs herrscht
Hochbetrieb. Ein farbenprächtiges Feuerwerk bildet den Abschluß des Festtages,
der bewies, was Initiative eines Vereins und Gemeinschaftssinn einer
Ortsgemeinschaft zuwege bringen können.
 Blütenkorso
1955
 Auch
beim Blütenumzug wird mit einem Transparent auf die lange
Tradition des Obst- und Gartenbauvereins Gerolsbach-Singenbach
hingewiesen
1956
„Ein Kerker ist die Erde für den, der nie sich
freut; zum Paradiese werde sie uns durch Fröhlichkeit“, so
begrüßt am 5. Mai 1956 die Gerolsbacher Blumenkönigin,
Theresia Finkenzeller mit ihrer Kollegin Fanny Sieber aus Singenbach
die weit über tausend Besucher des nun schon zur Tradition
gewordenen Blütenfestes. Und sie handeln danach, sie sind
fröhlich und freuen sich des schönen Tages. Allen vorherigen Ratschlägen zum Trotz, als man geneigt ist, den Veranstaltern
zum Abblasen des Festes zu raten, ist es tatsächlich so, wie
Regierungsfachberater Altersberger in seinen Begrüßungsworten
es humorvoll ausdrückt. "Der Frühling hat begonnen mit
dem Apfelblütenfest in Gerolsbach“.
Die
Gerolsbacher Blütenköniginnen von 1956 v.l.n.r.: Bürgermeister
Georg Finkenzeller, lgnaz Brandstetter, Blütenköniginnen
Theresia Finkenzeller und Fanny Sieber, Vorstand Johann Breitsameter
Die Vorstandschaft des Obst- und Gartenbauvereins Gerolsbach-Singenbach und der neue Kreisfachberater des Landkreises Schrobenhausen,
Anton Schäffler haben wieder ein umfangreiches Programm zusammengestellt.
Im Mittelpunkt des Festumzuges sind drei besonders nett herausgeputzte
Festwagen: auf dem ersten sitzen die zwei Blütenköniginnen,
der zweite zeigt die einfallsreiche Personifizierung der Gartlerfreud
und der dritte stellt mit seinem überdimensionalen Bienenkorb
und ebensolchen Bienen eine gelungene Werbung für den deutschen
Honig dar. Dass alles im rechten Takt bleibt, dafür sorgen
die Blaskapellen Mahl aus Sattelberg und llmgau-Jetzendorf. Mit
20 geschmückten Autos und Krafträdern findet dieser Fahrzeugkorso die Bewunderung aller Gäste, die dichtgedrängt die
Straßen des Festortes säumen.
Zum offiziellen
Teil im Breitnersaal sieht man am Tisch der Ehrengäste u.a.
Stellvertretenden Landrat Dr. Bittner mit mehreren Kreisräten,
Stadtoberhaupt Stocker aus Schrobenhausen, Regierungsfachberater
Altersberger, die Vorstände mehrerer Obst- und Gartenbauvereine,
die Kreisfachberater aus den Nachbarlandkreisen, Vertreter des Landwirtschaftsamtes
und anderer Behörden. Nach der offiziellen Begrüßung
durch Vereinsvorstand Breitsameter und Kreisfachberater Schäffler
wird die Bühne für namhafte Rundfunkkünstler zum
„bunten Nachmittag“ freigegeben. Mit Witzen und Pointen von Dr.
Emil Vierlinger herrscht bald eine Bombenstimmung, um so mehr als
das mitunter handfeste ‚jetzt schenk ma boarisch ei“ nur ganz wenigen
offensichtlich nicht mundet . „Spatz und Spätzin“ pfeifen
munter drauf los und Peppi Ganzer versteht es, durch seine Verwandlungskunst
den Saal zu begeistern, um so mehr als seine Mundharmonika und
Zwei Finger-Pfeif-Soli den Vollblutkünstler verraten.
Während
im Buchberger-Saal bereits zur gleichen Zeit die Paare sich im Tanz
wiegen, zeigt im Breitner-Saal Herr Altersberger Dias von seinem
letzten Urlaub in Südtirol. Anschließend eröffnen
die Blütenköniginnen auch hier den Tanz für alt
und jung. So hält bis tief in die Nacht, als die meisten längst
keine Blüten mehr sehen, die Freude über dieses gelungene
Blütenfest an.
1957
Zita Schaipp aus Saulbach und Waily Knöferl aus Singenbach
sind die beiden Blütenköniginnen des Jahres 1957. Rund
2500 Gäste stehen an den Straßen Spalier, als sich der
Festzug in Bewegung setzt. Den elf stattlich herausgeputzten Pferden
- allen voran der spätere langjährige Vorstand Xaver
Maurer‚ folgen die Blaskapelle, Kinder mit Schubkarren und Gartenausrüstung,
ein Auto mit der Vorstandschaft und als Höhepunkt der Landauer
mit den Blütenköniginnen. Einen weiteren Wagen ziert ein
Gartenhäuschen. Recht gut gemeint ist die Darstellung der Motorspritze,
die von Baumwart Michael Neukäufer gefahren wird: zuerst ein
Kind als schorfiger Apfel mit der Karrensprit ze und der Gespannspritze
im Gefolge, zum Zeichen, dass man mit dieser Art von Spritzen
nicht recht weit kommt - und dann die neue Motorspritze und zwei
schöne Äpfel. Schöner Abschluss des Zuges sind
Motorräder und die mit Blüten prächtig herausgeputzten
Wagen des Motorsportclubs Schrobenhausen.
 v.l.n.r.:
D beiden Blutenköniginnen Zita Schaipp und Waily Knöferl,
daneben die Blüttenmädchen Resi Meier und Hildegard Starringer
 Xaver Maurer auf "Mugl" führt den
Zug an
Nach dem Festzug eröffnen die
Blütenköniginnen mit dem Ehrentanz offiziell das Blütenfest und es beginnt der
allgemeine Rummel, der seine Höhepunkte erreicht, als der Regen die
Tanzlustigen von der Freitanzdiele ins sowieso schon überfüllte Zelt treibt.
(In diesem Jahr wird erstmals ein Festzeit bei der Metzgerei Harrer
aufgestellt.) Auch im Buchbergersaal ist kein Platz mehr zu bekommen, so dass
sich mancher wieder frühzeitig auf den Heimweg begeben muss. Nach dem Regenschauer
wird trotz der Kühle bis nach 21 Uhr nach den schmissigen Weisen von Otto
Ebner auf der Freitanzdiele wieder das Tanz bein geschwungen und nachher
wechselt man über ins Gasthaus Hutter. Das Blütenfest geht schließlich trotz
der ungünstigen Witterung wieder recht zünftig zu Ende.
1958
Im Mai 1958 wird das Blütenfest erstmals über 3 Tage
gefeiert. Das Festzeit unter der Bewirtung von Festwirt Lanzl faßt
2500 Gäste und eine 250 qm extragroße Tanzdiele ist im
Sedlanger aufgebaut. Die bekannte Nockherberg-Kapelle Pfahler spielt
zum Tanz auf. Für Un terhaltung sorgen die Stimmungskanonen
Hanner Obermilier und Hansl Ritzinger aus München, Kathi Brecht
als Ratschkathl und die Meisterjodlerin Maria Hellwig. Zum Ausschank
kommt ein l4prozentiges Spezialgebräu aus der Postbrauerei
Schrobenhausen. Die Maß gibt‘s zum Preis von 1,55 DM - mit
Bedienung 1,70 DM. Das Blütenfest besuchen insgesamt 6000 Festgäste
und 4200 Tanzzeichen werden verkauft.
Josef Niedernhuber,
einer der Hauptorganisatoren rühmt schon im Februar die seltene
Geschlossenheit, mit der die Dorfgemeinschaft dieses große
Fest mitgestalten hilft. Ob Vereinsmitglieder, Gemeinde rat oder
Landwirte, alle haben dazu beigetragen, dass auch schon eine
gewisse finanzielle Sicherheit gegeben ist, denn die Ausgaben sind
entsprechend der Größe des Festumfanges gegenüber
den Vorjahren gewaltig angestiegen. Was das Wetter anbelangt, so
waren sich Josef Niedernhuber ebenso wie Festwirt Lanzl und Kreisfachberater
Schäffler einig - „Beim Blütenfest war noch immer schönes
Wetter“
Der Umzug ist dem eigentlichen Sinnbild des Blütenfestes,
dem Apfel und seiner Behandlung und Verarbeitung gewidmet. Ein Reiterzug
mit 25 geschmückten Pferden bewegt sich vom Sonnleitenhof her.
Den Pferden folgen sieben Festwagen, auf denen der Frischverzehr
des Apfels und die Aufbereitung des Obstes dargestellt wird. Zu
diesem Fest hat speziell die Schuljugend dem Motto der Festtage
entsprechende Zuggruppen zusammengestellt. Die Blütenkönigin
Rosa Ettl aus Singenbach sitzt auf einem festlich geschmückten
Wagen, der sogar 4spännig gezogen wird. Sie eröffnet nach
dem Festumzug mit dem Schirmherrn Landrat Dr. Gunderlach den Blütentanz.
 Blütenkönigin
Rosa EttI mit Landrat Dr. Gunderlach, links im Bild Festwirt
Georg Lanzl
1959
Zum 10 jährigen Jubiläum der Blütenfeste vom 1.-
3. Mai 1959 kann die Blütenkönigin Monika Meier aus Gerolsbach
den Präsidenten des Bayer. Bauernverbandes v. Feury als Schirmherr
gewinnen. Das zehnte Blütenfest, das Ereignis im Jahresgeschehen
der Gemeinde Gerolsbach beginnt am 1. Mai mit der Aufstellung des
Maibaumes und ist bis zum letzten Tusch der Kapelle im Festzeit
am Sonntagabend voller Frohsinn und Heiterkeit. Aber auch der Besinnung
unserer schönen Heimat, die gerade rechtzeitig zum Fest in
ihrer frühlings haften Schönheit erblüht, wird Rechnung
getragen. Im 2000 Personen fassenden Festzeit, das diesmal hinter
der Raiffeisenkasse aufgestellt wurde, sind gemütliche Stunden
geboten. Dafür sorgt schon die be kannte Nockherberg-Kapelle
Sepp Kohmünch mit flotten Weisen. An allen 3 Abenden ist wieder
ein Programm mit nam Künstlern zusammengestellt, das sich sehen
lassen kann. Auch für die Kinder und Jugendlichen ist diesmal
viel geboten. So gibt es Schieß- und Wurfbuden, ein Karussell
und eine Schiffschaukel; ferner ist am Freitag und Sonntag zusätzlich
im Buchberger-Saal Tanz angesagt.
 v.Ln.r.:
1. Vorstand Anton Steger, Blütenkönlgin Monika Meier,
Landrat Dr. Hans Eisenmann, ganz rechts im Bild Bürgermeister
Georg Finkenzetler
Den Höhepunkt des Festes aber bildet wie immer der Festzug
am Sonntag, den Lehrer Schurius und Berufsschullehrer Richly zusammenstellen. 10 pferdebespannte Festwägen und auch Fußgruppen
werden eingesetzt, sowie Reiter, die durch den Reitclub Schrobenhausen Verstärkung erfahren. Das Thema des Zuges ist die Darstellung des Obstes von der Blüte bis zur Verwertung. So sieht
man ein Frühlingsbild, einen Wagen des Bienenzuchtvereins,
die Darstellung der Schädlingsbekämpfung, das Sortieren
des Obstes, einen Wagen auf dem eine Gartenlaube montiert ist, vor
der sogar ein Springbrunnen sprudelt, und schließlich einen
Festwagen, auf dem der Berggeist des Riesengebirges - Rübezahl
- dargestellt ist - wohl als eine Referenz für die aus dem
Ostsudetenland stammende Blütenkönigin Monika Meier,
die in einer prächtigen „Staatsrobe“ auf eigenem Wagen den
Mittelpunkt des Zuges bildet. Schulkinder beleben die Szenerie durch
ihr quicklebendiges Auftreten.
 Eine
Schülerinnengruppe bei der Ernte und Lagerung der Apfel
Transparent mit der Aufschrift „Täglich einen Apfel
für die Gesundheit“. Nachdem der Zug bei den Klängen
der Kapelle Kohmünch durch den ganzen Ort gezogen ist, steigen
Landrat Dr. Eisenmann - als Vertreter des Schirmherrn - und die
Blütenkönigin vor der Raiffeisenkasse aus und begeben
sich, gefolgt von den Herren der Vorstandschaft des Obst- und Gartenbauvereins,
ins Festzeit. Dort begrüßt Vorsitzender Steger die Gäste,
unter ihnen die Vertreter der Behörden der Kreisstädte.
Dr. Eisenmann hebt hervor, dass das Blütenfest am Beginn
eines neuen Arbeitsjahres in der Landwirtschaft, die Verbundenheit
zwischen Stadt und Land beweise. Gerade das diesjährige Jubiläumsfest zeige aber auch noch eine andere Verbundenheit: die
zwischen Alt- und Neubürgern, die in der Wahl einer Blütenkönigin
aus einer heimatvertriebenen Familie zum Ausdruck gekommen sei.
Das letzte Blütenfest klingt zwischen Regen und Sonnenschein
aus! Lanzl‘s „Mannschaft“ und die Oberlandler-Kapelle im Festzeit,
die Schausteller des kleinen Vergnügungsparks sowie die flott
aufspielende Tanzkapelle beim Buchberger tun das ihre, dass die
Stimmung bis zum Ausklang des Festes nicht abreißt.
 Auf
das schöne Fest stoßen an: v.l.n.r.: Xaver Maurer, 2
Vorstand Johann Schaipp, Festwirt Georg Lanzl, Bürgermeister
Georg Finkenzeller, 1. Vorstand Anton Steger, Organisator Josef
Niedernhuber
Chronik des Verein ab 1968
Der Obst- und Gartenbauverein wird diese Chronik noch ergänzen.
Wir bitten um etwas Geduld! Danke
Bedanken möchten
wir uns noch mal für die Gestaltung und den Text dieser Chronik bei
Andrea Franz, Maria Maurer-Nitsch und Alois Lachner die Anlässlich
des Blütenfestes 1988 diesen erstellt haben.
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